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Ein Stück Blech, das ein Besteck sein wollte

Wilhelm Seibel V. ist sich sicher: Hätte Ende der fünfziger Jahre Onkel Herbert Seibel nicht gegen seinen Vater Heinrich Seibel rebelliert, gäbe es heute die Firma Mono nicht mehr. Seibel III. stellte in dritter Generation solide Kaufhausbestecke im unteren und mittleren Preissegment her, und das sollte auch so bleiben. Rund 200 deutsche Besteckhersteller teilten sich damals einen Boom-Markt. Im Krieg verloren Millionen Familien ihren Hausrat.

Das Wirtschaftswunder ermöglichte den Neukauf. Gaststätten und Kantinen füllten die Bücher mit Großaufträgen. Onkel Herbert, jung und dynamisch, wollte aber nicht als ordinärer Löffelfabrikant enden. Heimlich fuhr er vom nordhessischen Ziegenhain zur Hochschule für Gestaltung in Kassel und traf sich mit Peter Raacke, einem jungen Dozenten für Industriedesign. Hinter dem Rücken des Alten entwickelten die beiden einen Designklassiker: das Besteck „Mono A“.

Die meisten Nachkriegsdeutschen liebten Schnörkel. Gelsenkirchener Barock eroberte auch die Küchenschubladen. Mono A dagegen kam sachlich daher, kantig, in industriellem Edelstahl. Die Stammhändler der Seibels waren irritiert. „Ein Stück Blech, das ein Besteck sein will“, lästerte die Konkurrenz. Heute gibt es in Deutschland weniger als zehn Besteckhersteller. Ende der fünfziger Jahre war der Nachkriegsbedarf gedeckt, und seit den Sechzigern drängten fernöstliche Billiganbieter auf den europäischen Markt. Das Stück Blech, das ein Besteck sein wollte, gewann 1973 mit dem Bundespreis Gute Form seine erste wichtige Designauszeichnung.
(Thomas Ramge. Aus dem Bauch heraus. In: brand eins, 08/04, S. 80)

Kontinuierliche Designgeschichte von Hand gefertigt

Bevor ein Mono Besteck in Ihre Hand gelangt, ging es mehrfach durch die Hände der Handwerksmeister in der Manufaktur in Mettmann, die mit viel Engagement und Geduld jedes Teil so lange bearbeiten, bis es höchste Qualitätsansprüche erfüllt.

Die Verarbeitungstechniken wurden im Laufe der Jahrzehnte weitergegeben und verfeinert. Das Messer wurde anfangs aus einem einzigen Stück Edelstahl gestanzt – einem sogenannten Monoblock, woher auch der Name Mono abgeleitet wurde. Heute besteht das Messer aus zwei Stählen, die in einem Spezialverfahren zusammengefügt werden: der Griff aus rostfreiem Edelstahl, die Klinge aus hochwertigem gehärtetem Klingenstahl. Edles Design verbindet sich auf diese Weise mit höchster Schnittstärke. Filigran in der Anmutung und dennoch stabil sind die Griffe von Löffel und Gabel. Extra dünner gewalzt und dadurch besonders mundfreundlich sind dagegen die Oberteile. Gabel und Löffel erfordern mehr als 30 Produktionsschritte.

Ausgezeichnet

Bundespreis „gute Form“, Hannover 1973 • Stedelijk-Museum, Amsterdam • Museé Pédagogique, Paris • Wanderausstellung „Werkunst aus Deutschland" in Norwegen • National Gallery of Canada, Ottawa • Ausstellung des Deutschen Werkbundes, München • Ausstellung des World Design Congress, Tokyo • XII. Triennal Milano • Philadelphia Museum of Art, Philadelphia 1983 • design-Center, Stuttgart • Deutsches Klingenmuseum, Solingen • Haus Industrieform, Essen • Staatliche Kunstsammlungen, Kassel • IF Ecology Design Award 1997 • Iconic Interior Award 2016 – best of the best • German Design Award 2019 “Winner”